Nachhaltigkeit in der Automobilbranche: Internationaler Meilenstein: ISRINGHAUSEN bringt den ZNU-Standard nach Frankreich
Die ISRINGHAUSEN GmbH & Co. KG ist ein weltweit führender Spezialist für innovative Sitzsysteme und technische Federn. Seit über 100 Jahren entwickelt und produziert das Unternehmen in Lemgo bei Bielefeld und an weiteren Standorten weltweit hochwertige Nutzfahrzeugsitze. Als Teil der AUNDE Group ergänzt ISRINGHAUSEN das Portfolio um komplexe Interieur-Lösungen und profitiert dabei von Synergien innerhalb der Gruppe – insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit durch den ZNU-Standard.
Der Implementierungsprozess des ZNU-Standards startete zunächst in der Muttergesellschaft AUNDE, als erstes Unternehmen der deutschen Automotive-Branche, bevor ISRINGHAUSEN das System eigenständig übernahm. Ein zentraler Treiber dabei war Carsten Mathmann, der seit zwei Jahren den Nachhaltigkeitsbereich leitet.
Vom Qualitätsmanager zum Nachhaltigkeitsmanager
Schon privat beschäftigte sich Carsten Mathmann mit Upcycling und nachhaltiger Lebensweise: alte Möbel aufarbeiten statt wegschmeißen, Gemüse anbauen, Regenwasser auffangen und finanzielle Unterstützung für Projekte wie „The Ocean Cleanup“. Zusammen mit seiner langjährigen Erfahrung im Qualitätsmanagement machte ihn das zu einem idealen Kandidaten zur Umsetzung eines Nachhaltigkeitsprozesses bei ISRINGHAUSEN. Mit dem Wechsel in den Nachhaltigkeitsbereich 2023 kam auch der erste Kontakt mit dem ZNU-Standard. Als Qualitätsmanager schätzte er besonders, dass der Standard sehr viele Unternehmensbereiche gleichzeitig begutachtet beziehungsweise unter die Lupe nimmt. Laut Mathmann ist diese integrierte Betrachtungsweise ein entscheidender Hebel.
"Als wir festgelegt haben, dass ISRINGHAUSEN sich zertifizieren lässt, war mein erster Gedanke, dass dieser Standard endlich einmal viele Unternehmensbereiche gleichzeitig begutachtet und unter die Lupe nimmt."
Gruppenweit an einem Strang: Nachhaltigkeit gemeinsam umsetzen
Für die AUNDE Group war die Verankerung von Nachhaltigkeit eine klare strategische Grundsatzentscheidung. Der konzernweite Anspruch, im Bereich Nachhaltigkeit mehr zu leisten, war der Ausgangspunkt für die Entscheidung, den ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften einzuführen. Ziel war es, gruppenweit ein einheitliches Verständnis über das Thema Nachhaltigkeit und gelungenes Nachhaltigkeitsmanagement zu schaffen, und so, künftig „an einem Strang zu ziehen“. Entsprechend sollten alle Business Units, darunter auch ISRINGHAUSEN, diesem Schritt folgen.
Das gruppenweite Knowhow, durch die ZNU-Standard-Zertifizierung des Mutterkonzerns AUNDE Group, konnte gezielt für die eigene Implementierung im Headquarter 2024 genutzt werden. Die wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen wurden durch das Zusammenspiel aus Risiken- und Chancen- sowie Hotspot-Analysen und Anspruchsgruppenanalysen gruppenweit erarbeitet. Es entstand eine gemeinsame Wesentlichkeitsmatrix, die diese Themen, in denen das Unternehmen den größten Hebel hat, übersichtlich darstellt. Mathmann betont diesen gruppenweiten Austausch als wichtigen Erfolgsfaktor zur Etablierung des Standards.
"Die AUNDE Group hat sich entschieden: Wir wollen den Bereich Nachhaltigkeit weiterhin proaktiv vorantreiben und die Zertifizierung erreichen."
Internationaler Meilenstein: Erster Auslandsstandort erfolgreich zertifiziert
Nach der Erstzertifizierung des Hauptstandorts in Lemgo 2024/25 wurde 2026 ISRINGHAUSENs erster internationaler Standort in die Zertifizierung aufgenommen: Merkwiller in Frankreich. Trotz nationaler Unterschiede in Unternehmenskultur und Gesetzgebungen verlief die Umsetzung reibungslos. Das französische Werk verfügte bereits über ein hohes Niveau an Standards, was die Implementierung erleichterte, wie Mathmann betont. Entscheidend war die klare Herangehensweise, die man bereits bei ISRINGHAUSEN umgesetzt hat: Verständnis schaffen und die Mitarbeitenden einbinden.
„Es gibt natürlich definitiv von Land zu Land Unterschiede, was die Regularien oder die Gesetzgebung angeht. […] Aber da viele dieser Regularien EU Regularien sind, war das meiste nicht unbekannt“
Von Schulung zu gelebter Nachhaltigkeit
Ein zentraler Hebel für den Erfolg war eine konsequente Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Über Workshops, Diskussionsrunden und Schulungen wurde Nachhaltigkeit nicht nur als theoretisches Konzept vermittelt, sondern als konkreter Bestandteil des beruflichen Alltags erfahrbar gemacht. Mathmann beschreibt die Ausgangssituation treffend: Im Privatleben war Nachhaltigkeit vielen ein Begriff, im beruflichen Kontext eher weniger. Daher war es im ersten Schritt von enormer Bedeutung, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen.
Die Schulungsformate wurden so gestaltet, dass sich die Kolleginnen und Kollegen wiederfinden und aktiv an Mitgestaltungsprozessen teilnehmen konnten. Dazu ging das Team zunächst direkt in die Produktion und fragte die Leute: Was verstehst du unter Nachhaltigkeit? Die Antworten waren zunächst fast ausschließlich privater Natur. Erst auf die Folgefrage „Und im beruflichen Kontext?" kam der entscheidende Aha-Moment: Den meisten wurde klar, dass es nicht nur ums Lichtausschalten geht, sondern um soziale, wirtschaftliche und ökologische Fragen, die direkt mit ihrer Arbeit zusammenhängen. Diese Erkenntnis nahm die anfängliche Scheu und sorgte dafür, dass viele Mitarbeitende anschließend proaktiv mitarbeiten wollten.
Ein weiteres Ergebnis der neuen Strukturen: ISRINGHAUSEN entwickelte eine interne Richtlinie für die Produktentwicklung, die Ressourceneinsparung, Materialmanagement und Recycling verbindlich verankert und von den Mitarbeitenden sehr gut angenommen wurde.
„Das war ein Riesenthema, weil im Privatleben Nachhaltigkeit vielen ein Begriff war, sie sich aber im beruflichen Kontext eher weniger etwas darunter vorstellen konnten.“
Nachhaltigkeit, die wirkt: Erfolge und messbare Fortschritte mit dem ZNU-Standard
Die Implementierung des ZNU-Standards hat die globale Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe gestärkt und die nachhaltigkeitsbezogene Sichtbarkeit gegenüber Stakeholdern erhöht. Der ZNU-Standard hat laut Mathmann vor allem die externe Sichtbarkeit verbessert: Fortschritte lassen sich gegenüber Stakeholdern nun gezielter kommunizieren und nachvollziehbarer darstellen. Ratings und Kundenanfragen lassen sich besser beantworten, da Prozesse und Fortschritte transparent dokumentiert sind. Besonders gefreut hat Carsten Mathmann die Resonanz eines Großkunden, der das Engagement von ISRINGHAUSEN im Rahmen eines Nachhaltigkeits-Lieferantensummits würdigte und dem Unternehmen eine Bühne bot, um seine Aktivitäten zu präsentieren. Mathmann unterstreicht, dass die internen Bemühungen, wenn man sie transparent nach außen trägt, die externe Wahrnehmung und Wettbewerbsposition verbessern können.
„Da merkt man definitiv, dass nicht nur das, was wir intern machen, sondern auch diese Außenarbeit, unsere Aktivitäten auch wirklich mal kundzutun, auf jeden Fall Früchte trägt."
Was wäre ohne den ZNU-Standard?
Auf die Frage, wie das Nachhaltigkeitsmanagement bei ISRINGHAUSEN ohne den ZNU-Standard aussehen würde, antwortet Mathmann überlegt: Man würde wohl an ähnlichen Themen arbeiten, aber jedes einzelne Thema wäre ein isoliertes Großprojekt. Was der Standard geschaffen hat, ist eine gemeinsame Struktur, die Aufgaben auf verschiedene Bereiche verteilt und dafür sorgt, dass alles fließender läuft. So wird etwa eine Kundenanfrage heute von Nachhaltigkeit, Entwicklung und Einkauf gemeinsam bearbeitet, anstatt im Silo zu verbleiben. Der Standard hat aus einem Querschnittsthema einen echten Querschnittsprozess gemacht.
Tipps für andere Nachhaltigkeitsmanager:innen
1. Mitarbeitende konsequent einbinden: Nachhaltigkeit muss erlebbar und mitgestaltbar sein.
2. Klare Projektstruktur etablieren: Ein dediziertes Projektteam und ein belastbarer Projektplan sind essenziell.
3. Verantwortung auf alle Bereiche verteilen: Nachhaltigkeit funktioniert nicht als Silo-Aufgabe, sondern braucht aktive Beteiligung aus Entwicklung, Einkauf, Produktion und Management.
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